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Alt 15.08.2019, 15:11   #1
es2290
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Beiträge: 2
Standard Bildbearbeitung am Limit? Schärfen von Screenshots aus 74 Jahre alten `Wochenschau`

Hallo liebe GIMP Gemeinde,

ich nutze GIMP 2.10.10 und stehe vor einer echt kniffligen Aufgabe.

Ich komme aus dem schönen Oderbruch, nördlich Frankfurt an der Oder. Im nächsten Jahr begehen wir den 75.Jahrestag zum Ende des 2.Weltrkieges und ebenfalls der größten Schlacht auf deutschem Boden, der Schlacht auf den Seelower Höhen. Ich bin Teil des Heimatvereins in Seelow, und habe mich mit der Aus- bzw. Aufwertung von Bildmaterial aus eben dieser Zeit befasst. Bestes Material lieferte die Wochenschau, die noch bis zum Ende des Krieges Beiträge ausstrahlte.

Nun zu meinem Problem:

Ich habe Screenshots bestimmter Szenen erstellt, und versuche diese nun bestmöglich zu bearbeiten.
Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Ausgangsqualität sehr sehr bescheiden ist. Dennoch habe ich einiges versucht um noch etwas aus diesen Aufnahmen heraus zu kitzeln.

Ich habe Kontrastmasken erstellt, habe versucht die Kanten via Normalverteilung zu schärfen usw. aber ich bin noch nicht zufrieden und wende mich daher an die Spezialisten dieses Forums, ob euch noch Vorgehensweisen einfallen, die mir helfen könnten.

Vorab ein herzliches Dankeschön .
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es2290 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.08.2019, 19:56   #2
ursa major
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Beiträge: 2.980
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Hallo es2290!

Puh, das sieht wirklich nach Bildbearbeitung am Limit aus. Was hast Du denn mit den Bildern vor? Willst Du die drucken lassen? Und wie hoch sind Deine Qualitätsansprüche? Für den Druck sind Screenshots ja in aller Regel zu klein, bzw. zu schlecht aufgelöst. Hinzu kommt, dass sie meist auch Bewegungsunschärfen enthalten. Beim Vergrößern werden sie dann noch unschärfer. Und da sie in ihrer Ausgangsgröße feine Details nicht darstellen können, die man auf dem größeren Endformat aber eigentlich sehen können müsste, wirken vergrößerte Screenshots auch immer ein bisschen irritierend detailarm. Und dann sind Deine Bilder auch noch fast monochrom, so dass man da an Farbtonkontrasten auch nicht viel rausholen kann. Natürlich könnte man da trotzdem einiges machen. Aber das würde wohl sehr viel Handarbeit in Form von Retusche erfordern. Mit Tendenz zur kompletten Übermalung. Oder gleich komplett abmalen. Da drängt sich die Frage auf, ob es einem das wert ist und ob man das überhaupt könnte. Bzw. ob man nicht doch anderweitig besseres Ausgangsmaterial auftreiben könnte. Das ist aber eine Frage, die ich natürlich nicht für Dich beantworten kann.

Zudem stellt sich möglicherweise auch noch die Frage nach den Urheberechten, wenn Du vorhast die Bilder irgendwie zu veröffentlichen, was natürlich für die Entscheidung, ob man sich die Arbeit wirklich machen will, auch von Bedeutung ist. Ich weiß nicht wer die Rechte an dem Fimmaterial besitzt, aus dem die Screenshots stammen, und ob diese Frage überhaupt von Bedeutung ist, würde mich aber nicht blindlings in mögliche juristische Abenteuer stürzen, die wohlmöglich teuer werden könnten.

So würde jedenfalls ich die Sache beurteilen. Vielleicht hat ja jemand anders dazu noch irgendwelche hilfreichen Tipps.
ursa major ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 17.08.2019, 21:28   #3
es2290
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Beiträge: 2
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Hallo Ursa Major,

erst einmal vielen lieben Dank für deine detaillierte Antwort die auch viele gute Ansätze beinhaltet, die nachgedacht werden müssen.

Das Bildmaterial wird wohl nur in digitaler Form genutzt werden.
Da momentan nur im privaten mit den Bildern gearbeitet wird, besteht noch keine Probleme mit dem Urheberrecht. Aber trotzdem ein guter Gedanke, den man nicht außer Acht lassen darf.

Ich würde es dennoch gern versuchen, etwas zu verbessern.

gibt es denn detaillierte Beschreibungen, wie man einiges noch machen kann? vielleicht auch schon in diesem Forum? in andern Threads?

Welche Stichworte sind zu suchen?


Liebe Grüße
es2290
es2290 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.08.2019, 00:03   #4
ursa major
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Ich wüsste jetzt keinen allgemein gültigen Workflow, den man hierauf anwenden könnte, und auch keine konkrete Anleitung. Es gibt da eine ganze Menge Probleme bei diesen Bildern. Zunächst die Unschärfe, die zum Teil sicher auch daher rührt, dass die Bilder offenbar bereits erheblich vergrößert wurden. Wie groß waren die Bilder denn ursprünglich? Wenn sie ohnehin nur für Bildschirm-Darstellungen gedacht sind, ist eine so starke Vergrößerung gar nicht nötig.

Unschärfen kann man natürlich durch Nachschärfen entgegenwirken. Dafür gibt es mehrere Filter, die Du probieren könntest. Der gebräuchlichste ist Schärfen (Unscharf maskieren), den Du im Menü "Filter" unter "Verbessern" findest (da gibt es auch noch andere, die Du ausprobieren könntest, und weitere gute Schärfe-Filter findest Du in G'MIC (in der Rubrik "Details"), einem freien Plugin für GIMP mit eigenem Interface und weit über 500 Filtern). Wobei gerade dunkle Bilder allerdings leicht verrauschen, je stärker man schärft. Daran könnte man aber mit dem Filter "Selektiver Gaußscher Weichzeichner" ein bisschen drehen, womit man kantensensibel weichzeichnen kann. Das heißt, dass man Objekte weichzeichnen kann, während die Kanten scharf bleiben. Wobei man allerdings berücksichtigen muss, dass das Programm keine Objekte erkennen kann, sondern nur die Farb- und Helligkeitsunterschiede zwischen nebeneinander liegenden Pixeln. Kanten werden also nur als solche behandelt, wenn sie einigermaßen deutlich sind. Der "Selektive Gaußsche Weichzeichner" ist ziemlich rechenintensiv, was nicht so flotte Rechnern auch schonmal eine Weile beschäftigen kann.

Ein weiteres erhebliches Problem sind die Treppenbildungen an den Kanten der Bildobjekte, die in Deinen Bildern wirklich sehr deutlich sind. Die rühren sicherlich von den Pixeln der niedrig aufgelösten Quellbilder her. Die einzige Möglichkeit das zu beheben, die mir dazu einfällt, wäre das zu retuschieren, also entweder mit dem Klonen-Werkzeug (Stempel), mit aus der Nachbarschaft aufgenommenen Pixeln, über zu stempeln oder gleich mit dem Pinsel zu übermalen. Für letztere Variante kannst Du übrigens die Farbe, mit der Du malen willst, ebenso aus dem Bild aufnehmen, wie Du es mit dem Klonen-Tool machen würdest: mit gehaltener Strg-Taste auf die Bildstelle klicken, die die gewünschte Farbe enthält. Um wirklich glatte Konturen hinzubekommen, würde ich das jeweilige Bildobjekt evtl. vorher mit dem Pfade-Werkzeug und/oder einer Schnellmaske nachzeichnen und dann eine Auswahl daraus erzeugen. Quasi als Schablone.

Den Kontrast des jeweiligen Bildes würde ich auch noch korrigieren, denn der ist ein bisschen mau. Das kannst Du mit den Filtern Werte, Kurven oder Helligkeit/Kontrast machen (alle im Menü "Farben"). Letzterer ist am simpelsten, kann aber auch bei weitem nicht so viel. "Kurven" bietet die meisten Möglichkeiten, ist aber auch, gerade für Einsteiger, ziemlich abstrakt. Grundsätzlich machen alle drei Filter so ziemlich das gleiche. Aber natürlich behandeln diese Filter jeweils global das ganze Bild.

Um einzelne Lichter und Schatten im Bild aufzuhellen bzw. abzudunkeln kannst Du mit den Werkzeugen Abwedeln/Nachbelichten wie mit dem Pinsel darüber fahren (das letzte Tool im Werkzeugkasten. Ebenso kannst Du gezielt Bildstellen ein wenig weichzeichnen oder schärfen (das drittletzte Tool).

Um Bildobjekte etwas mehr aus dem Hintergrund hervorzuheben, könntest Du sie auch dezent kolorieren. Dazu würde ich eine neue transparente Ebene erstellen, einen Ebenenmodus (ganz oben im Dialog "Ebenen", das Dropdown-Menü "Modus")darauf anwenden - z.B. "Überlagern", "Weiche Kanten", "HSL-Farbe" oder "LCh-Farbe" - und darauf mit der gewünschten Farbe malen. Fein abstimmen kannst Du die Farbe dann noch mit der Deckkraft der Ebene.

Das alles habe ich jetzt natürlich nicht an Deinen Bildern ausprobiert. Das wäre aber wohl was ich versuchen würde. Und, wie schon gesagt, das wird eine Menge Arbeit sein und wahrscheinlich auch etwas Übung und Experimente erfordern. Zumal vieles auf den Bildern auch nicht deutlich zu erkennen ist.

Geändert von ursa major (18.08.2019 um 00:23 Uhr)
ursa major ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.08.2019, 12:05   #5
ence
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Hey,
Helfen könnten die Filter von G'MIC > Details, da gäbe es diverse Filter um mehr Details herauszukitzeln.
Unter anderem könnte man für die Hervorhebung bestimmter Bildinhalte mit dem Filter "split details (alpha)" das Bild in mehrere Ebenen (Anzahl einstellbar) zerlegen und ggf. diese dann separat noch nachbearbeiten.
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Alt 19.08.2019, 14:14   #6
ursa major
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Ences Tipp ist sicher gut und hilfreich (wie meistens). Trotzdem möchte ich nochmal anhand eines Bildbeispiels verdeutlichen warum es wohl nicht ohne relativ aufwändige Retusche von Hand gehen wird. Im Anhang habe ich im Bild zwei Stellen markiert. Die erste zeigt ein Bilddetail, bei dem es sich um die Munition des MGs handelt. Bei der zweiten handelt es sich um die Treppenbildung, durch die Pixel des schlecht aufgelösten Quellbildes. Es gibt keine Funktion in GIMP oder irgendeinem anderen Bildbearbeitungsprogramm, die unterscheiden kann welches von beidem nun Bilddetail oder Bildfehler ist. Dazu bedürfte es extrem fortschrittlicher künstlicher Intelligenz. Oder eben eines Menschen, der das unterscheiden und von Hand korrigieren kann.

Das bedeutet natürlich nicht, dass man aus dem Bild nichts machen könnte. Aber es wird eben viel Arbeit und Fingespitzengefühl kosten, und auch ein bisschen Erfindungskraft und Fachkenntnisse dessen, was dort auf dem Bild zu sehen ist. Denn viele Details, verschwinden auf dem Bild in der Unschärfe, der Pixelung und dem Rauschen. Ein Grafik-Tablett könnte hierbei übrigens sehr hilfreich sein. Mit der Maus wird das sicher sehr fummelig.

Was dem Bild übrigens zugute käme, finde ich, wäre es zu entsättigen, also es auf seine Graustufen zu reduzieren. Dann sieht es schon gleich viel weniger matschig aus. Das geht z.B. sehr gut mit der Funktion "Simulate Film" in der Rubrik "Colors" von G'MIC, in der man auch gleich den Kontrast optimieren kann. Die erste "Category" ist "Black & White". Da stehen eine ganze Reihe von Film-Profilen zur Auswahl. Falls einem die nicht reichen kann man sogar noch weitere herunterladen. Dort kann man den Bildern auch mit den Reglern "Hue" und "Saturation" den ganz leichten Farbstich hinzufügen, wie ich oben schon empfohlen hatte.
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Geändert von ursa major (19.08.2019 um 14:26 Uhr)
ursa major ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.08.2019, 20:15   #7
ence
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Hey,
Mit dem Einwand hast du sicherlich recht.
Wenn man den Aufwand etwas eingrenzen will, könnte man auch, zumindest bei dem Bild mit dem MG-Schützen u.ä. wie folgt vorgehen.


Man könnte den umgekehrten Weg gehen und nicht (oder nur ganz dezent) den gewünschten, wesentlichen Bildinhalt schärfen, sondern die Umgebung etwas Weichzeichnen.
Recht gute Ergebnisse lassen sich da mit dem G'MIC-Filter > Degradations > Blur (depth-of-field) erzielen. (siehe Anhang Bild 1)
Oder man macht sich etwas mehr Mühe und arbeitet mit der Ebenenmaske, damit lassen auch gute Ergebnisse erreichen. (siehe Anhang Bild 2)
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